(Motorsport-Total.com) – Weil der neue Mercedes-Antrieb als favorisiert gilt, zählt auch McLaren zu den Siegkandidaten beim Formel-1-Saisonauftakt in Melbourne. Das britische Team, das bislang noch keinen neuen Hauptsponsor präsentieren konnte, zeigte bei den Testfahrten in Jerez und Bahrain solide Leistungen, wenngleich man nicht ganz so glänzen konnte wie Williams oder das Mercedes-Werksteam. “Es ist immer schön, für das erste Rennen eines Jahres ins Auto zu steigen. Da spielt es gar keine Rolle, wo man steht”, sagt Jenson Button.
“Man will einfach nur ins Auto und fahren. Dann endet dieser ganze Hype und Bullshit, den man im Vorlauf erlebt hat”, erklärt der Brite in offenen Worten. Button ist der erfahrenste Pilot im gesamten Feld, er bekommt 2014 womöglich Druck von McLaren-Rookie Kevin Magnussen. “Niemand wird bei den Tests nach all den Regeländerungen in sein neues Auto geklettert sein und war dann sofort sicher, dass es ein Siegerfahrzeug ist. Man kann es nicht einschätzen, bevor die ersten Rennen gelaufen sind.”
“Unser aktuelles Auto fühlt sich für mich besser an als das Fahrzeug im Vorjahr, außerdem haben wir mit dem Mercedes den bisher klar besten Antrieb im Heck. Uns fehlt aber in Sachen Rundenzeit noch ein bisschen”, sagt Button. “Allerdings war es das Auto, das für die Testfahrten gedacht war. Wir haben weitere Updates für den Saisonauftakt. Die neuen Komponenten hatten wir teilweise auch schon beim Bahrain-Test, haben sie aber nicht eingesetzt. Ich hoffe, dass uns ein ordentlicher Schritt nach vorn gelingen wird.”
McLaren hinter Williams und Mercedes?
“Beim Test waren die Autos mit Mercedes-Antrieb rund zwei Sekunden schneller als die anderen. Ich weiß nicht, ob dies das wahre Bild ist. Vielleicht liegt einiges davon auch an den Besonderheiten der Strecke in Bahrain und hier sieht es ganz anders aus”, will sich der Brite noch nicht auf eine Vorhersage einlassen. Man sieht im Lager von McLaren gute Chancen, ordnet sich bislang aber hinter mindestens zwei anderen Teams ein.
“Wenn ich mir die Zeiten von Mercedes und Williams anschaue, dann werden die nur schwierig zu schlagen sein, wenn denen die Zuverlässigkeit keinen Strich durch die Rechnung macht und die Strategie passt. Wer es in den ersten drei Rennen ins Ziel schafft, der nimmt sicherlich gute Punkte mit. Dafür braucht man nicht einmal das schnellste Auto”, so Button. “Wir würden am liebsten gewinnen, aber ich bin nicht sicher, ob uns das hier gelingen kann. Man weiß es nicht. Es geht eben nicht nur um schieren Speed, sondern auch um ein paar andere Dinge.”
“Vieles hängt vom Einsatz des ERS ab, außerdem vom Umgang mit der begrenzten Benzinmenge”, erklärt der Ex-Weltmeister die Schwerpunkte in der Saison 2014. “Es ist die Frage, welche Mappings man zu welchem Zeitpunkt im Rennen wählt. Man muss die Energie passend einteilen, um das Beste daraus zu machen. Die normale Rennstrategie kommt dann noch hinzu. Das wird alles sehr kompliziert.”
Button erwartet geringere Abstände in Melbourne
“Melbourne ist eine Strecke, die vergleichsweise viel Benzin fordert. Wir werden nicht das ganze Rennen lang Vollgas fahren können. Aber ganz ehrlich: Das wird doch nirgends so sein”, meint Button vor dem ersten Grand Prix des Jahres. “Vollgas ist heutzutage nicht die beste Lösung, wenn du als Sieger das Ziel erreichen willst. Man muss immer Sprit sparen. Das war auch in den Vorjahren schon so.”