Inhaftiert: Ali Salman.© apa/epa
Inhaftiert: Ali Salman.© apa/epa
Manama. (vee/apa) Polizisten und oppositionelle Demonstranten haben sich im Golfstaat Bahrain erneut Zusammenstöße geliefert. Augenzeugenberichten zufolge setzte die Polizei am Freitag in mehreren Städten Tränengas gegen Demonstranten ein, die die Freilassung des schiitischen Oppositionsführers Scheich Ali Salman forderten.
Bereits in den vergangenen Tagen wurden laut dem Bahrainer Beobachtungszentrum für Menschenrechte dutzende Menschen festgenommen, mehrere Personen wurden verletzt. Der Freitag war bereits der sechste Tag mit gewaltsamen Zusammenstößen in Folge.
Der 49-jährige Salman war am Sonntag festgenommen worden. Die Behörden werfen dem Anführer der Al-Wefak-Bewegung umstürzlerische Bestrebungen vor, darunter die “Verbreitung falscher Nachrichten, die Panik verursachen und die Sicherheit unterminieren”, oder “Anstachelung von Hass auf die Regierung und Aufruf zum gewaltsamem Sturz”.
Al-Wefak, das den Protest bisher weitgehend gewaltfrei gehalten hatte, verlangte die Freilassung Salmans und bezeichnete das Vorgehen der Behörden “ein gefährliches Abenteuer”, das die Lage komplizieren werde. Beobachtern zufolge radikalisieren die Repressionen im 1,2-Millionen-Einwohner-Land die schiitische Jugend zunehmend.
Die Bevölkerung des strategisch wichtigen Inselstaats ist mehrheitlich schiitisch, doch das ressourcenreiche Land wird seit Jahrhunderten von der sunnitischen Dynastie der Al-Khalifa beherrscht. Proteste der schiitischen Opposition im Frühjahr 2011 wurden mithilfe saudi-arabischer Truppen blutig niedergeschlagen. Seitdem geht die Regierung immer wieder gegen Al-Wefak vor.
Die Oppositionsbewegung tritt für die Umwandlung des Staats, in dem keine Parteien zugelassen sind, in eine wirkliche konstitutionelle Monarchie ein. Tausende Schiiten forderten in den vergangenen Tagen den Rücktritt der von der königlichen Familie beherrschten Regierung. Nachdem Al-Wefak zum Boykott der Parlamentswahl im vergangenen November aufrief, untersagte ein Gericht der Gesellschaft Aktivitäten für die Dauer von drei Monaten.
Salman bleibt nach Angaben der Staatsanwaltschaft weitere sieben Tage in Haft. Laut “Gulf News Daily” ist der Oppositionsführer am Freitag weiter zu den Vorwürfen verhört worden.