Die Mongolei, Pakistan, Kasachstan, Sri Lanka und Bahrain sind nicht unbedingt als Tourismus- und Investmentoasen bekannt. Teilweise vollkommen zu Unrecht. Bei einem sechsten Land, Zypern, ist vor allem der Teil über die Investmentoase momentan etwas kontrovers. Diese Länder könnten unterschiedlicher nicht sein. Sie haben aber eines gemeinsam: es lauern exzellente Investmentopportunitäten.
Pakistan
In den Medien taucht Pakistan fast ausschließlich im Zusammenhang mit Anschlägen auf. Es besteht kaum ein Zweifel daran, dass das Land politisch und gesellschaftlich nicht unbedingt ein Hort der Stabilität ist. Dennoch wird man dem Land mit dieser einseitigen Betrachtung einfach nicht gerecht, denn es gibt auch eine ganz andere Seite. Wirtschaftlich steht das Land gut da. Das BIP Wachstum war selbst 2009 mit 2% noch ansehnlich. Der Trend geht wieder in Richtung des Vorkrisenniveaus von 6%. Die Arbeitslosigkeit ist niedrig. Mit 5,7% beträgt sie nicht einmal die Hälfte der Arbeitslosenquote in Europa. Und auch die Staatsverschuldung ist mit 11% der jährlichen Wirtschaftsleistung sehr überschaubar.

Trotz eines guten ökonomischen Umfelds und guten Wirtschaftsaussichten ist das Land von SP mit B- geratet. Die Begründung dafür liegt in dem absolut gesehen niedrigen Einkommen, politischer und fiskalischer Unsicherheit. Trotz niedriger Verschuldung hat die Regierung ein permanentes Liquiditätsproblem. Die Ratingagentur nennt hier das Beispiel von Ministerien, die ihre Stromrechnungen nicht rechtzeitig begleichen können. Das klingt schon fast amüsant, hat aber einen realen und ernsten Hintergrund. Die Einnahmen des Staates sind volatil und die Flexibilität auf fiskalischer Seite extrem eingeschränkt. Die Liquidität ist angespannt, weil die Einnahmen volatil sind, gleichzeitig die bestehenden Schulden aber eine hohe Zinslast darstellen. Damit ist der Spielraum für die Regierung klein. Auf der positiven Seite sieht SP den starken Geldzufluss aus dem Ausland.
Wenn man nicht unbedingt pakistanische Anleihen kaufen möchte, dann macht das Urteil von SP wenig aus, auch wenn die Anleihen durchaus attraktive Renditen von 15% bieten. Ein Blick auf den pakistanischen Leitindex bestätigt dieses Bild. Der KSE 100 steigt ungebremst weiter an. Im Sommer 2012 konnte der Index das Vorkrisenhoch von 15.000 Punkten überspringen. Die langfristige Richtung stimmt. In den vergangenen 10 Jahren legte der Index von 1.500 auf nun knapp 18.000 Punkte zu.

Es ist schon fast unheimlich, wie resistent die pakistanische Börse gegen Katastrophen ist. Als Beispiel sei die große Flut 2010 genannt, die fast ein Drittel des Landes betraf. Das führte lediglich zu einer Seitwärtsphase. Für Anleger ist die Story auch mit den neuen Hochs des Index noch nicht beendet. Das Land hat trotz guter Ausgangslage noch einen erheblichen Nachholbedarf. Das pro-Kopf-Einkommen beträgt nur ein Viertel des Einkommens in Brasilien und selbst dort ist noch viel Luft nach oben. Unterstützt wird das Investmentszenario vom Rohstoffreichtum des Landes. Fast 10% des BIPs kommen aus diesem Bereich. Das bedeutet allerdings auch, dass die Börse mit dem Öl- und Kohlepreis korreliert. Anleger, die in Pakistan investieren wollen, sind davon besonders betroffen. Die Auswahl an Instrumenten ist nämlich begrenzt.
Der nächste Chart zeigt den Erdölpreis und den Kursverlauf eines Zertifikats (DE000DB8BPK1) auf den MSCI Pakistan. Im Gegensatz zum KSE 100 schleppt sich dieser Index ein wenig dahin. Die gute Nachricht ist, dass der Index gerade aus der Seitwärtsphase ausgebrochen ist.

Der MSCI ist vor allem von Ölunternehmen und Banken getrieben. Die Gewinnentwicklung der größten Unternehmen ist im nächsten Chart dargestellt. Der Trend stimmt. Geht man nun von einer weltweiten Stabilisierung der Lage aus, sollte der MSCI Pakistan davon außerordentlich profitieren. Steigende Ölpreise werden die Gewinne antreiben, Investitionen fördern, was den Banken hilft und den ohnehin soliden Binnenkonsum noch stärken.

Bahrain: Was wurde aus dem Frühling?
Arabische Länder sind mehr als Öl. Spätestens seit Anfang 2011 ist das allen klar. Nach der anfänglichen Begeisterung über die Revolution ist inzwischen Ernüchterung eingekehrt – nicht nur in den Ländern selbst, sondern auch in der westlichen Welt. Dabei hätte sich der ein oder andere in Europa wahrscheinlich gerne selbst eine Revolution gewünscht, angesichts der massiven Probleme vor der eigenen Haustür.
Von Ruhe kann in der Region noch keine Rede sein. Die einzelnen Länder sind allerdings extrem unterschiedlich. Für Anleger lohnt es sich zu differenzieren. Bahrain ist im Gegensatz zu anderen Ländern der arabischen Halbinsel nicht so stark auf Öl angewiesen wie etwa Saudi Arabien oder Kuwait. Das Erdölgeschäft macht zwar noch immer 10% des BIP aus, verliert aber mehr und mehr an Bedeutung. Bahrain hat früh begonnen, die Wirtschaft zu diversifizieren. In einem reichen Land mit gut 1,2 Millionen Einwohnern ist das auch umsetzbar. In vielen Ländern sind noch keine eindeutigen und vor allem nachhaltigen Konzepte erkennbar. Bahrain und Katar waren hier Vorreiter. Katar versucht es als Forschungsstandort, während Bahrain besonders stark im Finanzdienstleistungsbereich wuchs. Das war natürlich Pech.

Vor 2008 war der Finanzdienstleistungsbereich eine wahre Geldmaschine und Wachstumsgarant. Ebenso, wie sich die USA vom Schock noch immer nicht vollständig erholen konnten, lag auch Bahrain lange am Boden. Die Arbeitslosigkeit geht seit 2011 wieder zurück, allerdings nur sehr langsam. Zu den 4% 2007 ist es noch ein längerer Weg. Immerhin hielt sich das Wachstum im positiven Bereich. Auf die Aktien hatte das wenig Einfluss. Der Kurschart zeigt den Solactive Bahrain Index seit Auflage 2008. Die meisten Märkte konnten 2009 ihr Tief ausbilden. In Bahrain war das Tief mehr eine Verschnaufpause als ein Boden. Per Jahreswechsel 2012/13 erreichte der Index einen neuen Negativrekord bei 25 – 45% unter dem Tief aus 2009.

Bahrain hatte seine eigene Bankenkrise. Der Finanzdienstleistungssektor war und ist immer noch extrem aufgebläht. Allein die größte Bank des Landes hat eine Bilanz in der Höhe des BIPs von ca. 30 Milliarden Dollar. Der Fairness halber muss man sagen, dass die Banken nie in so großer Schieflage waren wie in den USA oder Europa. Der nächste Chart zeigt den Gewinn/Verlust der fünf größten Banken und zwei weiteren Unternehmen. Bei letzteren ist die Tendenz nicht eindeutig nach oben gerichtet. Bei der Übergewichtung von Banken ist das aber auch wenig relevant. Die meisten Geldhäuser haben ihr Ertragstief 2009 gesehen, wobei die Ithmaar Bank wohl erst 2013 wieder aus den roten Zahlen kommen dürfte. Alle anderen Banken haben ihre alte Ertragsstärke 2012 bereits wieder zurückgewonnen. Zieht man das in Betracht, ist es eigentlich verwunderlich, dass der Solactive Index noch immer 72% unter dem Hoch von 2008 steht.

Die relative Underperformance liegt sicherlich an den politischen Unsicherheiten nicht nur im eigenen Land. Einen Großteil des Umsatzes und des Gewinns erwirtschaften die Banken in anderen arabischen Ländern, in denen die politische und wirtschaftliche Zukunft noch ungewiss ist. Dennoch scheinen sich Investoren wieder vorzuwagen. Es gibt auch wenige Gründe, wieso Investoren Bahrain skeptischer gegenüberstehen sollten als z.B. Ägypten. Selbst dieser Markt befindet sich trotz anhaltender Unsicherheit seit Anfang 2012 in einem Aufwärtstrend. Bahrain hat die freieste Wirtschaft im arabischen Raum und steht weltweit nur knapp hinter den Top 10. Das kann natürlich das potentielle Risiko von Unruhe nicht aufwiegen, dennoch stellt sich die Frage, ob Investoren nicht etwas zu nervös reagiert haben. Bis 2010 sanken die ausländischen Direktinvestitionen um 90%. Seitdem gibt es einen leichten Aufwärtstrend. Im Rahmen der Andeutung einer Revolution wurden viele Großprojekte ausgesetzt, die jetzt wieder aufgenommen werden. Das Wichtigste für eine vom Finanzsektor getriebene Wirtschaft ist das Vertrauen. Dieses wieder komplett zurückzugewinnen wird dauern. Das Tief scheint nun aber überwunden zu sein.
Der Chart des Solactive Index zeigt nach oben. Der seit 2009 geltende Abwärtstrend wurde nach oben verlassen. Dieser Ausbruch traf genau mit dem Widerstand aus der EMA200 zusammen. Der klassische Bullback zurück zum Ausbruchslevel hat bereits stattgefunden. Damit ist der Web zunächst bis 33 frei. Danach ist der nächste Kursziel im Bereich 43. Der Stop Loss kann relativ eng bei 28 gewählt werden. Hier ist der Index gut Unterstützt (EMA200, Doppeltief aus 2011). Der Index lässt sich über das Zertifikat DE000DR2BAH4 handeln.
Viel Erfolg
Clemens Schmale
Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse nicht investiert