Ironman Frankfurt – Geldquelle aus Wüstensand

Thomas Dieckhoff wollte mit der Antwort nicht so recht herausrücken. Der Vorstandsvorsitzende der Marke Ironman für Europa, den Mittleren Osten und Afrika tat so, als wüsste er nicht, wie viel Preisgeld bei der Europameisterschaft in Frankfurt ausgeschüttet wird. Dabei ist es kein Geheimnis, dass Jan Frodeno und Daniela Ryf je 30 000 Dollar (rund 27 000 Euro) mit nach Hause nehmen dürfen. Stars wie der Olympiasieger und die Schweizer Vize-Weltmeisterin werden ganz sicher noch mit einem Antrittsgeld an den Main gelockt, um sie von Konkurrenzveranstaltungen fernzuhalten. Wer kein Profi-Triathlet ist, zahlt rund 550 Euro Startgebühr. Bei 3000 Teilnehmern kommt die hübsche Summe von 1,65 Millionen Euro heraus. Der Zehnte kann mit kleinem Portemonnaie an- und abreisen. Gerade mal 899 Euro fallen da als Trostpreis an.

Seit Anfang des Jahres sprudelt für 13 Athleten und Athletinnen eine zusätzliche Geldquelle aus dem Wüstensand. Scheich Nasser Bin Hamad Al Khalifa ist Gründer und Chef des Bahrain-Elite-Endurance-Triathlon-Teams, das die Sportler mit einem Grundgehalt in unbekannter Höhe und Bonusprämien bei entsprechenden Erfolgen stützt. Zu den durchweg prominenten Vereinsmitgliedern zählen auch der Triumphator des Ironman in Frankfurt, Jan Frodeno, und der amtierende Hawaii-Sieger Sebastian Kienle sowie die beiden Schweizer Eisenfrauen Daniela Ryf und Caroline Steffen.

Üppig sind die Siegprämien nicht

27 000 Euro für acht, neun Stunden harter Arbeit sind ja nicht so schlecht, mögen normale Tariflohnempfänger beim ersten Gedanken denken, aber im Vergleich zu vielen anderen Sportlern gehören die viel bewunderten Ausdauerathleten zunächst in die Leichtlohnklasse. Philipp Kohlschreiber hat nach gut zwei Stunden Arbeit bei seinem Erstrunden-Aus in Wimbledon einen Scheck über 40 000 Euro mitnehmen dürfen. Die Sieger dort werden reich beschenkt: 2,36 Millionen Euro kassiert Mann oder Frau ein. Dass beim Fußball und den in Nordamerika so beliebten Sportarten Basketball, Eishockey und Baseball schnell mal Stundenlöhne von hunderttausenden Euro zusammenkommen (und zwar über ein ganzes Jahr gesehen), sei nur am Rande erwähnt.

Insofern sind selbst die 95 000 Dollar, die auf Hawaii für die Schnellsten ausgelobt werden, keine allzu üppige Summe, zumal der Weltelite, abgesehen von einer handvoll Wettkämpfe über die Kurz- und Mitteldistanz, pro Jahr nur zwei eisenharte Herausforderungen über die Mörderstrecke von 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen möglich sind.

Der Triathlet ernährt sich dennoch redlich, indem er versucht, möglichst viele private Sponsoren zu gewinnen. Das scheint Leuten wie Frodeno, Kienle und auch der weiblichen Schweizergarde recht gut zu gelingen. Unter all den Werbeträgern auf den Kleidern ist die Grundfarbe der Shirts manchmal nur schwer zu erkennen.

Scheich Bin Hamad Al Khalifa hat, bevor er den elitären Triathlon-Klub gründete, mit einer Triple-Crown-Serie in Dubai, im Oman und in Bahrain Ende des vergangenen Jahres „neue Maßstäbe“ gesetzt, wie es jubilierend in den einschlägigen Portalen heißt. Sebastian Kienle hat in einem damals geführten Interview mit der FR gesagt, dass es ja kein Geheimnis sei, dass die Wettkämpfe dort „sehr lukrativ“ gewesen seien. Sieger und Siegerin der drei Halbdistanz-Wettkämpfe hätten eine Million-Dollar-Preisgeld einstreichen können. Kienle hat damals erklärt, dass es ihm zunächst egal sei, ob er in die USA, nach Österreich oder nach Bahrain reise. „Ich glaube, wir haben die größeren Probleme in Ländern, in denen solche Sportveranstaltungen noch nicht stattfinden“, sagte der Hawaii- und Frankfurt-Sieger von 2014.

Scheich Nasser Bin Hamad Al Khalifa ist selbst ein begeisterter Ausdauersportler und Hobby-Triathlet. Den Verein mit den derzeit bekanntesten und wohl derzeit auch weltweit besten Triathleten als Galionsfiguren hat der 28-Jährige auch gegründet, um Gesundheit und Wohlfahrt in dem kleinen reichen Inselstaat im Persischen Golf zu fördern.

Kommandeur der Königlichen Garde

Die gut 600 000 Bahrainis, im Land selbst leben rund 1,3 Millionen Menschen, sollen durch die prominenten Vorbilder zum Sporttreiben animiert werden, heißt es auf der Homepage. Der Scheich ist aber eben nicht nur ein veritabler Ausdauersportler, er ist auch einer der wichtigsten Politiker und der Kommandeur der Königlichen Garde. Seit 2011 flammen insbesondere in der Hauptstadt immer wieder Unruhen auf. Wer sich „illoyal“ zum sunnitischen Königshaus verhält, wandert nach derzeitiger Gesetzeslage oft für Jahre hinter Gitter. Selbst Kinder, so beklagen Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International, werden bei Kundgebungen verhaftet und weggesperrt. Die meisten Einwohner Bahrains sind im Gegensatz zur Königsfamilie Schiiten. Dem großzügigen Förderer des Triathlonsports werfen Menschenrechtsaktivisten auch eine aktive Rolle bei der Niederschlagung der Unruhen vor.

Felix Rüdiger, der Manager von Jan Frodeno, hat auf Anfrage der FR gesagt, dass sich sein Athlet sehr wohl Gedanken über das Engagement gemacht habe. Der Scheich sei ein sportbegeisterter Mensch. Sein Engagement diene auch der Integration von Kindern und Frauen. „Der Sport bringt Menschen zusammen, davon ist Jan überzeugt.“ Teile der von Al Khalifa ausgelobten Team-Prämien flössen direkt in die Förderung des bahrainischen Breitensports. Die Frage nach der umstrittenen politischen Rolle des Scheichs ließ Rüdiger unbeantwortet.

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